Pressemitteilung
(Schwabmünchen, 26.02.2009) Mit 408.000 t jährlichem Durchsatz an Abfällen ist die von der Firma Lang Papier in Ettringen geplante Anlage nach wie vor eine der größten Abfallverbrennungsanlagen Bayerns. Nur die Anlagen in München mit 670.000 t und Schwandorf mit 420.000 t Durchsatz pro Jahr sind größer. Sie ist damit doppelt so groß wie die AVA Augsburg. Darauf wies der Verein Gesundes Wertachtal e.V. bei seiner Informationsveranstaltung in Schwabmünchen am 26.02.2009 hin.
Nachdem die Firma Lang für die betroffene Bevölkerung keine Informationsveranstaltungen mehr durchführt, setzt der gemeinnützige Verein weiter auf sachlich fundierte Aufklärung über das Großprojekt und hatte deshalb unter dem Motto: „Die drittgrößte Abfallverbrennungsanlage Bayerns auf dem Prüfstand der Experten“ eingeladen. Der Umweltingenieur und Anlagengutachter Peter Gebhardt aus Salzböden sowie der renommierte Kieler Toxikologe Dr. Hermann Kruse erläuterten aus Expertensicht das Vorhaben und die damit verbundenen Risiken anhand der neuen Antragsunterlagen.
Sie kommen zu dem wenig erfreulichen Ergebnis, dass im Gegensatz zu den Anlagen in kommunaler Hand und damit unter staatlicher Aufsicht die Rauchgasreinigung, die die Firma Lang vorgesehen hat, nach wie vor unzureichend ist und weit hinter den technischen Möglichkeiten zurückbleibt. Das Unternehmen spricht zwar in seinen Flyern und Pressemitteilungen von „5 Verfahrensschritten“. Mit einer 5-stufigen Rauchgasreinigung, wie wir sie von kommunalen MVAs, z.B. der AVA Augsburg, kennen, hat dies jedoch nichts gemein. Die in Ettringen geplante Anlage hat nur einen Gewebefilter und damit im wesentlichen nur eine (!) Reinigungsstufe. Die geplante Rauchgasreinigungsanlage entspricht daher dem untersten Standard der derzeit in Deutschland betriebenen Abgasreinigungsanlagen. Dabei wäre eine effektive mehrstufige Rauchgasreinigung heute mit einem vertretbaren finanziellen Aufwand zu realisieren. Die Emissionen an Schadstoffen könnten dadurch erheblich reduziert werden. Krebserregende Schadstoffe, wie z.B. Dioxine und Furane, Arsen, Cadmium und Chrom, die im ungereinigten Abgas von Abfallverbrennungsanlagen in besonders hohen Konzentrationen enthalten sind, werden nur einmal im Jahr im gereinigten Abgas gemessen. In der übrigen Zeit kann niemand sagen, wie viel die Anlage davon emittiert.
Eine Besonderheit der Anlage ist, dass sehr große Mengen an heizwertarmen Abfällen insbesondere aus der Papierindustrie sowie kommunaler und gewerblicher Klärschlamm verbrannt werden sollen. Diese Abfälle machen mengenmäßig einen Anteil von ca. 75% aus. Würden nur diese Abfälle in der Anlage verbrannt, müsste mit Gas oder anderen fossilen Brennstoffen zugefeuert werden, damit die Verbrennung überhaupt stattfinden könnte. Deshalb wird aufbereiteter heizwertreicher Müll, auch Ersatzbrennstoff genannt, mitverbrannt. Die Fa. Lang kann sich auf diese Art und Weise immenser Abfallmengen aus der Papierproduktion entledigen, die sonst teuer entsorgt werden müssten. Die Klärschlammmitverbrennung ist darüber hinaus sehr lukrativ.
Da die Ersatzbrennstoffe regional nicht verfügbar sind, müssen sie über weite Strecken (eine Obergrenze der Entfernung ist nicht festgelegt!) nach Ettringen gefahren werden – mit der Konsequenz, dass noch mehr LKWs in der Region unterwegs sind. Dabei ist es auch möglich, dass Abfälle in großen Mengen aus dem Ausland in der Anlage verbrannt werden. Beispielsweise werden in verschiedenen Anlagen in Nordrhein-Westfalen Abfälle aus Neapel verbrannt. Beschränkungen auf europäischer Ebene existieren faktisch nicht. Doch nicht nur dies. Messungen ergaben, dass einige dieser Abfälle auch noch radioaktiv belastet waren. Da in Deutschland mittlerweile die Verbrennungskapazitäten das Angebot an Ersatzbrennstoffen überschreiten, ist davon auszugehen, dass der Import ausländischer Abfälle zunehmen wird.
Störfälle kommen in großindustriellen Anlagen öfter vor, als die Bürger ahnen, da die Öffentlichkeit meist nichts davon erfährt. Störfälle haben oft erhöhte Schadstoff-Emissionen, auch über den Grenzwerten, zur Folge – ein Risiko, das man mit einer mehrstufigen Rauchgasreinigung eingrenzen könnte. Durch erhöhte Schadstoffeinträge kann es beispielsweise zu erheblichen Grenzwertüberschreitungen kommen. So geschehen z.B. in der MVA Weisweiler, als Quecksilber in hohen Mengen zunächst unbemerkt in der Anlage verbrannt wurde. Kontrollen der angelieferten Abfälle auf Schadstoffe finden nur sporadisch statt. Das Konzept der Fa. Lang sieht vor, höchstens jeden 35 LKW stichprobenartig zu kontrollieren. Außerdem gibt es immer wieder Berichte von Bränden in Abfallbunkern, die sich über Tage hinziehen mit der dramatischen Folge deutlich erhöhter Schadstoffemissionen.
Auch über die wichtige Frage der Einwendungen, die Frist hierzu endet am 19. März 2009, wurde im Rahmen des Müll-Talk 2 ausführlich informiert. Der Verein Gesundes Wertachtal ruft die Bürgerinnen und Bürgern nach Rücksprache mit seinem Anwalt dazu auf, erneut Einwendungen zu schreiben. Nach der Auftaktveranstaltung in Schwabmünchen werden die Bürgerinitiativen vor Ort weitere Informationsveranstaltungen durchführen. Der Verein Gesundes Wertachtal e. V. hat inzwischen fast 800 Mitglieder und zählt deutschlandweit zu den erfolgreichsten Bürgerinitiativen, die sich gegen die an vielen Orten geplanten oder bereits realisierten Anlagen auf der Basis von Ersatzbrennstoffen wehren.
(Schwabmünchen, 26.02.2009) Mit 408.000 t jährlichem Durchsatz an Abfällen ist die von der Firma Lang Papier in Ettringen geplante Anlage nach wie vor eine der größten Abfallverbrennungsanlagen Bayerns. Nur die Anlagen in München mit 670.000 t und Schwandorf mit 420.000 t Durchsatz pro Jahr sind größer. Sie ist damit doppelt so groß wie die AVA Augsburg. Darauf wies der Verein Gesundes Wertachtal e.V. bei seiner Informationsveranstaltung in Schwabmünchen am 26.02.2009 hin.
Nachdem die Firma Lang für die betroffene Bevölkerung keine Informationsveranstaltungen mehr durchführt, setzt der gemeinnützige Verein weiter auf sachlich fundierte Aufklärung über das Großprojekt und hatte deshalb unter dem Motto: „Die drittgrößte Abfallverbrennungsanlage Bayerns auf dem Prüfstand der Experten“ eingeladen. Der Umweltingenieur und Anlagengutachter Peter Gebhardt aus Salzböden sowie der renommierte Kieler Toxikologe Dr. Hermann Kruse erläuterten aus Expertensicht das Vorhaben und die damit verbundenen Risiken anhand der neuen Antragsunterlagen.
Sie kommen zu dem wenig erfreulichen Ergebnis, dass im Gegensatz zu den Anlagen in kommunaler Hand und damit unter staatlicher Aufsicht die Rauchgasreinigung, die die Firma Lang vorgesehen hat, nach wie vor unzureichend ist und weit hinter den technischen Möglichkeiten zurückbleibt. Das Unternehmen spricht zwar in seinen Flyern und Pressemitteilungen von „5 Verfahrensschritten“. Mit einer 5-stufigen Rauchgasreinigung, wie wir sie von kommunalen MVAs, z.B. der AVA Augsburg, kennen, hat dies jedoch nichts gemein. Die in Ettringen geplante Anlage hat nur einen Gewebefilter und damit im wesentlichen nur eine (!) Reinigungsstufe. Die geplante Rauchgasreinigungsanlage entspricht daher dem untersten Standard der derzeit in Deutschland betriebenen Abgasreinigungsanlagen. Dabei wäre eine effektive mehrstufige Rauchgasreinigung heute mit einem vertretbaren finanziellen Aufwand zu realisieren. Die Emissionen an Schadstoffen könnten dadurch erheblich reduziert werden. Krebserregende Schadstoffe, wie z.B. Dioxine und Furane, Arsen, Cadmium und Chrom, die im ungereinigten Abgas von Abfallverbrennungsanlagen in besonders hohen Konzentrationen enthalten sind, werden nur einmal im Jahr im gereinigten Abgas gemessen. In der übrigen Zeit kann niemand sagen, wie viel die Anlage davon emittiert.
Eine Besonderheit der Anlage ist, dass sehr große Mengen an heizwertarmen Abfällen insbesondere aus der Papierindustrie sowie kommunaler und gewerblicher Klärschlamm verbrannt werden sollen. Diese Abfälle machen mengenmäßig einen Anteil von ca. 75% aus. Würden nur diese Abfälle in der Anlage verbrannt, müsste mit Gas oder anderen fossilen Brennstoffen zugefeuert werden, damit die Verbrennung überhaupt stattfinden könnte. Deshalb wird aufbereiteter heizwertreicher Müll, auch Ersatzbrennstoff genannt, mitverbrannt. Die Fa. Lang kann sich auf diese Art und Weise immenser Abfallmengen aus der Papierproduktion entledigen, die sonst teuer entsorgt werden müssten. Die Klärschlammmitverbrennung ist darüber hinaus sehr lukrativ.
Da die Ersatzbrennstoffe regional nicht verfügbar sind, müssen sie über weite Strecken (eine Obergrenze der Entfernung ist nicht festgelegt!) nach Ettringen gefahren werden – mit der Konsequenz, dass noch mehr LKWs in der Region unterwegs sind. Dabei ist es auch möglich, dass Abfälle in großen Mengen aus dem Ausland in der Anlage verbrannt werden. Beispielsweise werden in verschiedenen Anlagen in Nordrhein-Westfalen Abfälle aus Neapel verbrannt. Beschränkungen auf europäischer Ebene existieren faktisch nicht. Doch nicht nur dies. Messungen ergaben, dass einige dieser Abfälle auch noch radioaktiv belastet waren. Da in Deutschland mittlerweile die Verbrennungskapazitäten das Angebot an Ersatzbrennstoffen überschreiten, ist davon auszugehen, dass der Import ausländischer Abfälle zunehmen wird.
Störfälle kommen in großindustriellen Anlagen öfter vor, als die Bürger ahnen, da die Öffentlichkeit meist nichts davon erfährt. Störfälle haben oft erhöhte Schadstoff-Emissionen, auch über den Grenzwerten, zur Folge – ein Risiko, das man mit einer mehrstufigen Rauchgasreinigung eingrenzen könnte. Durch erhöhte Schadstoffeinträge kann es beispielsweise zu erheblichen Grenzwertüberschreitungen kommen. So geschehen z.B. in der MVA Weisweiler, als Quecksilber in hohen Mengen zunächst unbemerkt in der Anlage verbrannt wurde. Kontrollen der angelieferten Abfälle auf Schadstoffe finden nur sporadisch statt. Das Konzept der Fa. Lang sieht vor, höchstens jeden 35 LKW stichprobenartig zu kontrollieren. Außerdem gibt es immer wieder Berichte von Bränden in Abfallbunkern, die sich über Tage hinziehen mit der dramatischen Folge deutlich erhöhter Schadstoffemissionen.
Auch über die wichtige Frage der Einwendungen, die Frist hierzu endet am 19. März 2009, wurde im Rahmen des Müll-Talk 2 ausführlich informiert. Der Verein Gesundes Wertachtal ruft die Bürgerinnen und Bürgern nach Rücksprache mit seinem Anwalt dazu auf, erneut Einwendungen zu schreiben. Nach der Auftaktveranstaltung in Schwabmünchen werden die Bürgerinitiativen vor Ort weitere Informationsveranstaltungen durchführen. Der Verein Gesundes Wertachtal e. V. hat inzwischen fast 800 Mitglieder und zählt deutschlandweit zu den erfolgreichsten Bürgerinitiativen, die sich gegen die an vielen Orten geplanten oder bereits realisierten Anlagen auf der Basis von Ersatzbrennstoffen wehren.
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