Verhagelte Bilanz
Bisher war nicht bekannt, dass sich der Landrat des Kreises Unterallgäu als besonderer Vorkämpfer des Klima- und Umweltschutzes hervorgetan hätte. Hier ein freundlicher Besuch bei den aktiven Bachmuschelschützern, dort ein medienwirksamer Spatenstich am Tag des Baumes. Viel mehr war da nicht. Den „Großraum“ Ettringen mied und meidet der Landrat wie der Leibhaftige das Weihwasser, obwohl -oder vielleicht gerade- weil dort wegen der geplanten zweitgrößten Müllverbrennung Bayerns der Klima- und Umweltschutz großräumig und nachhaltig gefährdet ist. Zwischen Gegnern und Befürwortern der Anlage haben sich dort unüberbrückbare Gegensätze und Feindschaften aufgebaut. Nicht zuletzt weil die potentiellen Bauherren von kurzsichtigen opportunistischen Amigos aus der Kommunalpolitik gefördert wurden. Auch der Landrat bezog durch seine dauerhafte Abwesenheit und vornehme Zurückhaltung eindeutig Stellung zu ungunsten der umweltbewussten Bürger.Anstatt durch persönliche Präsenz den öffentlichen Belangen zu Geltung zu verhelfen, fungierte seine Genehmigungsbehörde für jedermann erkennbar als „Special Task-Force“ zur Unterstützung der Firma Lang.
Seit den Ereignissen in Japan bevölkert eine schier unüberschaubare Vielzahl von opportunistischen Energiewendehälsen die politische Landschaft. Auch Landrat Weirather lässt sich da nicht lumpen, und präsentiert der staunenden Öffentlichkeit flugs sein neu ins Leben gerufene Energieteam. Dieses Team, mit dem er publicitywirksam zum Gruppenbild vor die Presse trat, soll in den kommenden Monaten Schwerpunkte für die Energiepolitik des Landkreises erarbeiten, die dann zu einem Klimaschutzkonzept gebündelt werden. Als wichtigste Grundlage hierfür soll die Erstellung einer CO2- Bilanz dienen. Nachdem das gesamte Allgäu auf Grund des Engagements von kreativen privaten Tüftlern und des rührigen Renergie-Vereins seit Jahrzehnten als Vorbild für saubere, CO2-neutrale Energiekonzepte gilt, könnte diese Bilanz für den Landkreis Unterallgäu durchaus günstig ausfallen; wenn, ja wenn da nicht die vom Landratsamt genehmigte (und von der Bürgerinitiative gerichtlich angefochtene) Müllverbrennung in Ettringen wäre. In dieser Anlage sollen jährlich mehr als 400.000 Tonnen Abfälle verbrannt werden. Im laufenden Betrieb dürfte diese dann zweitgrößte Müllverbrennung Bayerns vergleichsweise die doppelt Masse an CO2 freisetzen als die Verbrennungsanlage der Großstadt Augsburg. Eingerechnet in den Gesamtausstoß des Landkreises wird diese gewaltige Menge die CO2-Bilanz des Energieteams gründlich verhageln.
Im Konflikt mit ihren Gegnern argumentierten die Vertreter der Firma Lang polemisch mit der Notwendigkeit der Müllverbrennung zur Erhaltung der Arbeitsplätze. Auf Grund der zurückliegenden Entwicklung konnte jedermann erkennen, dass dies als diffamierendes Totschlagargument gedacht war. Selbst das Management der Papierfabrik konnte auf Pressenachfrage keinen Zusammenhang mehr erkennen. Nicht so der Landrat Weirather. Als die Nachricht vom Belegschaftsabbau bei der Firma Lang durch die Medien lief, forderte er die Verantwortlichen der BI auf, ihre ablehnende Haltung neu zu überdenken. Die Diskussion in den letzten Wochen zur Energiewende hat aber gezeigt, dass die Gegner der Müllverbrennung nicht umdenken müssen. Vielmehr sollte sich Herr Weirather überlegen, ob er einem ökonomisch und ökologisch unsinnigen Energiekonzept aus dem vergangenen Jahrhundert weiterhin unbeirrt die Stange hält, oder ob er sich auch in Ettringen für den Klima- und Umweltschutz einsetzen will. Allerdings würde dies Mut und Konfliktbereitschaft erfordern.
C. Fiber
Anmerkung hinzufügen